Ich habe mich gefühlt wie Jan Ulrich

Der Tag begann heute so sonnig, dass man sich für ein paar Minuten die Sonne ins Gesicht scheinen lassen konnte. Gestern war es so anstrengend, Justus zum Schlafen zu bringen, dass ich den Kinderanhänger vom Bulli abgebaut habe und ihn dort reingesetzt habe-normalerweise schläft er darin schnell ein. (Wenn er müde ist-und das war er ohne Zweifel)

Unter Protest habe ich die Rübe in den Wagen gelegt, festschnallen ging nicht, da er schon im Schlafsack war.

Ich hielt ungefähr alle 50 Meter an, um ihn wieder in die Sitzposition zu bringen-vergebens. Der Anhänger hatte bis gestern noch eine Hängematte, die über dem eigentlichen Sitz befestigt ist. Irgendwann hatte ich genug und habe diese kurzerhand aus dem Anhänger ausgebaut, was für Außenstehende sicher ein wildes Schauspiel abgab:

In der einen Hand das schreiende Kind, welches die ganze Zeit versucht, sich aus meinem Griff zu lösen, mit der anderen Hand hantierte ich mit Guten, Schlaufen und Klettverschlüssen herum. Nach geschlagenen 15 Minuten konnte ich den kleinen dann dort besser platzieren-allerdings hatte Justus dadurch auch mehr Freiraum und zog es vor, im Wagen zu stehen.

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Nach weiteren 30 Minuten ist er dann endlich eingeschlafen PUHHHHHH.

Aber heute ist alle Wut verflogen, denn die Sonnenstrahlen auf der Haut waren Balsam für meine Seele.
Wir entschieden uns, hier auf dem Campingplatz noch eine zweite Nacht zu verbringen. Allerdings akzeptierte der Campingplatz nur Bargeld und wir hatten keins. Der nächste Geldautomat ist 8 km entfernt am Visitor Center der Cliffs of Moher. Wie man weiß, sind diese Klippen bekannt wegen ihrer Größe und Höhe sind. Unser Campingplatz ist aber auf Meereshöhe. Wir mussten also die 300 Höhenmeter mit dem Fahrrad fahren.

Es ging also los: nach den ersten 100 Metern war klar, dass das Sportprogramm für heute gesichert ist, denn ein 15 Kilo Anhänger + 11 Kilo Kind + 4 Kilo Kram ziehen ganz gut am Hinterrad.

Puh, geschafft. Jetzt mussten wir Karten kaufen für dieses Visitor Center um an den Geldautomaten zu kommen. Wir hatten noch exakt 12,20 Euro und eine Karte kostete 6 Euro (passt). Allerdings waren die Leute hier gar nicht auf Fahrräder ausgelegt, denn die Karten wurden nur am Parkplatz für Autos verkauft. 12 Euro gespart.
Wohin mit den Fahrrädern? Es gab keine Fahrradständer. OK wir waren die einzigen die mit dem Fahrrad hier waren. Wir schlossen dann einfach die Räder an einen Fahnenmast an.

Geldautomat–>Essen–>Glücksgefühle–>Fotos schießen–>Ab nach Hause

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Wir bogen wieder mit dem Fahrrad auf die Straße, die zum Berggipfel zeigte, von wo wir gekommen waren. Aber irgendetwas war anders. Am Straßenrad standen Autos und die Straße war gesäumt von Menschen. Diese feuerten uns an, schneller zu fahren.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und trat ordentlich in die Pedale. (keine Ahnung, wo Nine war) 30 Sekunden später überholte mich ein Auto mit Warnlichtern. Da wurde mir klar: Es ist ein Radrennen. Ich blickte mich um, ich war auf dem ersten Platz, denn das Auto was mich überholte, war für die Spitze des Rennen gedacht. Der erste Fahrer war gut 10 Meter hinter mir, ich holte alle Kräfte aus meinem Körper und stemmte mich den Berg hoch. Der Gipfel war nicht mehr weit, nur noch 200 Meter. Die Menschen jubelten, denn ein Rennradfahrer mit Kinderanhänger hinten dran, der vor dem Führenden fährt, sah man nicht alle Tage.

Nach weiteren 100 Metern wurde ich allerdings dazu angehalten, dem Führenden keinen Windschatten zu bieten und mich doch an die Seite zu bewegen.

Ich hielt an, wartete auf Nine und feuerte die restlichen Fahrer an, die mich dann überholten. Wie sich später herausstellte, war es das wichtigste Radrennen in Irland, in das wir da hereingerutscht sind. Vielleicht bin ich morgen mit Justus auf einer Titelseite, denn ein paar Fotografen haben bestimmt ein Foto gemacht.

Der Rückweg hat dann idealer Weise auch nur noch 15 Minuten gedauert -es ging nur noch Berg ab…

Veröffentlicht von

Andreas

29 Jahre alt. Aus Oldenburg / Varel / Butjadingen. Beschäftigt sich mit Tech kram und alles was mit Rennrad und BikePolo zu tun hat.

Ein Gedanke zu „Ich habe mich gefühlt wie Jan Ulrich“

  1. Grandioser Reisebericht – es macht SpaßD eure Tagesberichte zu lesen! Habt weiterhin viel Spaß und gute Nerven. Justus erlebt wirklich eine ganze Menge.

    Viele liebe Grüße aus dem windig-kühlen Norddeutschland.

    Dajana

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