Wenn einem morgens schon beim Duschen…

…die frische Unterhose auf den nassen Boden fällt, kann der Tag nicht gut werden. Nach dem morgendlichen Programm fuhren wir mit dem Fahrrad nach Cliften, um etwas Milch und Brot zu kaufen und ich wollte mir die Haare scheiden lassen. Als wir angekommen waren, fuhren wir an einer Kirche vorbei, die geöffnet war und ich fragte Nine, ob heute Sonntag sei, sie antwortete „nein nein…oder…Shit heute ist Sonntag“. Aber wir hatten Glück, denn einige Geschäfte hatten geöffnet.

Nun knurrte auch noch mein Magen -wenn man erst um 12 Uhr vom Campingplatz loskommt, ist ja auch schon Mittagessen angesagt. Um 14 Uhr haben wir dann ein kleines Restaurant gefunden, welches uns zusagte. Ich hatte schon schlechte Laune vor Hunger, wir bestellten und warteten auf das Essen. Warten ist aber nichts Justus‘ Stärke, denn er hatte auch Hunger. (Wir hatten mal wieder vercheckt, ihm einen kleinen Snack einzupacken, aber diesmal war die Wickeltasche dabei) Damit er nicht den ganzen Laden zusammen schreit, bin ich mit Ihm die Straße rauf und runter gelaufen. Endlich war das Essen auf dem Tisch, ich erkundigte mich nach einem Hochstuhl, doch es gab keinen.
Jeder der ein Kind in Justus‘ Alter hat, weiß, dass das kein Spaß ist, mit dem Kind auf dem Schoß zu essen. (dummerweise war Nine die letzten Male dran und nicht bereit, heute zu übernehmen)

Erst einmal muss alles, was in der Reichweite von Justus steht, außer Reichweite platziert werden. Das war hier nicht so einfach, da die Tische zu klein waren.

Ach es ist doch immer schön, wenn der kleine mit seiner Patschhand doch den Teller erwischt und mit der Sauce an den Händen Papas Gesicht, Pullover und Hose gleichzeitig erwischt. Und als Dankeschön bekommt man ein herzhaftes Lachen (nicht nur von Justus).

Wir haben einen tollen Sohn, auch wenn wir diesen Blog manchmal dazu nutzen, um Luft abzulassen. Es gibt so viele positive Eindrücke, die könnte ich hier gar nicht alle aufschreiben. Klar ist man manchmal genervt und ich habe noch den Satz von meinem Vater im Ohr: „Ich will auch irgendwann mal Feierabend haben“. Manchmal liegt er mir auf der Zunge, aber irgendwie will ich ihn auch nicht aussprechen.

Heute Stand Justus ganze 10 Sekunden, ohne dass man ihn festhalten musste. Er krabbelt hier bestimmt einen Halbmarathon zusammen und die anderen Kinder lachen und spielen mit ihm. Gestern ist er sogar einem kleinen Hund hinterhergekrabbelt, der Angst vor ihm hatte. Das sind einfach Momente die man nicht vergessen will.

Ach was soll ich noch von Irland schreiben, es ist einfach toll hier, die Landschaft ist atemberaubend, aber das kann ich ja auch nicht jeden Tag schreiben. Cliften ist eine kleine Stadt, die voll auf den Tourismus ausgelegt ist. Ist nicht unsere Sache, deswegen sind wir mit Milch und Brot und langen Haaren hier wieder abgebraust.

Morgen geht es wieder weiter bis nach Westport. Auf dem Weg dorthin schauen wir uns die Kylemore Abbey an und werden am RenvyPoint aufs Meer schauen. Heute gibt es keine Fotos aber morgen hoffentlich umso mehr.

Ach ja, ich glaube, wir sind im Spießbürgertum angekommen: Noch vor kurzem konnte ich mir weder vorstellen, einen reinen Erholungsurlaub zu machen, mit Eltern (bzw. Großeltern) in den Urlaub zu fahren, oder sonst was, was Leute in unserem Alter mit Kindern so machen. Die Reise, die wir hier machen, ist zwar super schön, aber auch anstrengend. Heute habe ich mich das erste Mal gefragt, warum wir uns das überhaupt antun-mit Baby halb Irland durchqueren. Nine sagt, am Anfang hatte sie auch solche Gedanken-sie hat sie jedoch nicht ausgesprochen. Man stellt sich das immer alles so einfach vor…vielleicht werden wir in den nächsten Jahren doch erstmal „nur“ die Ostsee, den Harz, die Mecklenburger Seenplatte etc. unsicher machen…aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass diese Gedanken morgen schon wieder weg sind…

Veröffentlicht von

Andreas

29 Jahre alt. Aus Oldenburg / Varel / Butjadingen. Beschäftigt sich mit Tech kram und alles was mit Rennrad und BikePolo zu tun hat.

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